Rio ist anders …

2010 März 24
by Dietmar Hahn

… von den Verbotsschildern in der U-Bahn, ueber die sensationelle Lage der Stadt zwischen Meer und Urwald, bis hin zu den kleinen, feinen Begegnungen mit den Cariocas. Wir koennen nachvollziehen, dass Rio in vielerlei Hinsicht das Aushaengeschild Brasiliens ist, und haben hier eine schoene und intensive Zeit gehabt, inklusive der Erfahrung, dass die Warnungen vor Ueberfaellen nicht nur heisse Luft sind.

Aber der Reihe nach: unseren letzten Eintrag haben wir noch von Lencois aus geschrieben. Von dort sind wir in einem Bus-Marathon von ca. 30 h durch halb Brasilien gefahren, und zwar ueber Belo Horizonte nach Ouro Preto, dem Herkunftsort von ca. 70 % des Goldes auf der Welt und aufgrund dieser (versiegten) Quelle des Reichtums auch eine Hochburg de barocken Architektur. Nach so vielen Stunden im Bus ist das Sitzfleisch zwar hinueber, aber wir haben waehrend dieser Zeit viel vom Landesinneren gesehen, so dass es sich trotzdem gelohnt hat, nicht zu fliegen. Ausserdem haben wir unser Reise-Schiffe-versenken-Set so endlich mal einweihen koennen.

In den drei Tagen Ouro Preto haben wir neben zwei Goldminen und einigen interessanten Museen nochmal viel ueber die Geschichte der Sklaverei in Brasilien erfahren und waren erschrocken ueber die Ausmasse. Es tut richtig weh, sich diese Verbrechen der Kolinialzeit vor Augen zu fuehren.

Die Geschichte der Fahrt nach Rio konntet ihr ja schon nachlesen. Dort haben wir problemlos zu unserem Hostel im Viertel Botafogo gefunden. Hier haben wir eine neue Erfahrung auf unserer Reise gemacht: dormitories oder Mehrbettzimmer. Neben unseren zwei standen in unserem Zimmer noch 18 weitere zur Verfuegung, von denen im Schnitt vielleicht 14 belegt waren. Wir waren erstaunt ueber die Ruhe und Sauberkeit, die trotzdem geherrscht haben, und werden das in Zukunft eventuell oefter mal machen.

Rio war fuer uns: Christo Redentor, Zuckerhut, Stadionbesuch im Maracana (das Derby zwischen Flamengo und Vasco, fuer Dide ein Highlight der Reise, und fuer uns beide eine gute Einstimmung auf die WM2010), Copacabana und Ipanema, Santa Teresa, Bondinho und ein kleiner Ueberraschungs-Ueberfall auf einer belebten Strasse. Der Schreck war schlimmer als der wirtschaftliche Schaden, und wir wurden daran erinnert, dass wir auch dann noch fuer solche Strolche interessant sind, wenn wir uns nicht mehr so fuehlen…

Seit Rio (dort sind wir am abend des 14. abgereist)  hat unsere Reise nun einen ganz anderen Charakter. In Sao Bento do Sul hat die Familie Hahn vor ziemlich genau 20 Jahren gelebt, und dort haben wir auch jetzt drei Tage verbracht. All die Orte besucht, die Dide von frueher her kannte, vor allem aber viele Begegnungen mit verschiedenen Leuten gehabt, so z.B. mit seiner Kindergartentante, die sich deutlich besser an ihn erinnert hat als andersrum… es war eine wertvolle und interessante Zeit, die wir sehr genossen haben. Fuer Jule ist es entspannt, sich endlich mal wieder ohne groessere Verstaendigungsschwierigkeiten unterhalten zu koennen.

Seit letztem Freitag sind wir nun in Blumenau, der Stadt, die den Ruf hat, die deutscheste Brasiliens zu sein. Sicher zurecht. Ist fuer uns aber gar nicht so relevant, weil wir auch hier vor allem Kontakte auffrischen bzw. entstehen lassen. Wir geniessen es, mal nicht in einem Hostel zu sein, und ein wenig in die Tage hinein zu leben. Die Abende sind dafuer um so mehr ausgefuellt mit allerlei Aktivitaeten, von Fussball spielen mit der Gemeindejugend bis hin zu einer Bierprobe bei der hier ansaessigen Brauerei.

Generell koennen wir sagen, dass wir von der Gastfreundschaft und Herzlichkeit der Leute hier immer wieder neu beeindruckt sind.

Was das Kulinarische angeht, kann man Brasilien etwa so beschreiben: je suedlicher, desto Fleisch. Es ist einfach herrlich, dass das Fleisch hier nicht nur koestlich ist, sondern auch in rauen Mengen genossen werden kann. Und bald geht es noch weiter in Richtung Sueden… ein schoener Nebenaspekt des langen Aufenthalts hier in Blumenau ist naemlich, dass wir Zeit hatten, die naechsten Schritte zu planen:

am Samstag werden wir, nach einem Kurzbesuch und einem Churasco bei Ademar, einem Freund von frueher in Jaragua do Sul, nach Porto Alegre zu Debbie, Ulis Freundin, fliegen. Dort steht uebrigens am Samstag abend ein Familienfest an – mit Churasco!

Dort werden wir uns dann am Dienstag schweren Herzens von Debbie und Brasilien verabschieden, und nach Puerto Montt in Chile weiterreisen, von wo aus wir vier Tage mit einem Schiff an den chilenischen Fjorden entlang bis nach Puerto Natales, fahren werden.

Im Anschluss noch ein paar Bilder aus Ouro Preto und Rio. Viele Gruesse, bis bald

JuDi

One Response
  1. 2010 März 25

    Ok, Kommentare zu den Bildern sind jetzt möglich (zumindest wenn sie als gallery eingefügt sind), allerdings werden sie irgendwie nicht bei den letzten Kommentaren auf der Startseite angezeigt…

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