Eine Tragoedie

2010 April 27
by Dietmar Hahn

Schauplatz ist wieder El Bolson, diesmal eine Tragoedie.

Voellig unverhofft haben wir im urigsten Hostel, dem wir bisher begegnet sind, die letzte Nacht verbracht, die diese Huette unter seinem bisherigen Besitzer erlebt hat.

Die Handlung: Marcel, ein umtriebiger Ruhrpottler, und sein Freund, dessen Name uns entfallen ist, haben vor fuenf Jahren das vor sich hinvegetierende Hostel von der uninteressierten Besitzerin gemietet, und daraus ein Schmuckkaestchen mit Almhuettenflair gebastelt, das sich mittlerweile mit hohen zweistelligen Bewertungsraten bei den einschlaegigen Hostelreservierungsseiten schmuecken darf.

Das ist natuerlich auch der Besitzerin nicht verborgen geblieben, und so nahm das Unheil seinen Lauf: der auf fuenf Jahre ausgelegte Vertrag lief aus, eine Verlaengerungsoption war nicht schriftlich vereinbart, einen Monat vor Ablauf des Vertrages wurde den Mietern das Ende des Engagements m

itgeteilt. Die Huette wird in Zukunft zu hoeheren Bezuegen an eine neue Mietergruppe, eine Interessengemeinschaft von 14 Hippies uebrigens, weitervermietet.

An diesem denkwuerdigen letzten Abend sassen wir also in einer kleinen Gruppe mit den Besitzern des Hostels zusammen, haben die letzten Flaschen selbstgebrauten Bieres getrunken, und uns der Melancholie, unterstuetzt vom in der Ecke brennenden Kaminfeuer, hingegeben.

In diesen Tagen wird die Einrichtung liquidiert, weggeschmissen oder in fatalistischer Grosszuegigkeit den neuen Mietern ueberlassen. Wir trauern mit und freuen uns darueber, noch ein T-Shirt dieses einzigartigen Hostels ergattert zu haben.

Der Kapitalismus macht also auch vor atomwaffenfreien Zonen nicht halt. Tragoedien, die das Leben spielt.