3 Monate Reisen – grosse, kleine, feine Welt

2010 Mai 7
by Dietmar Hahn

Gut drei Monate sind wir mittlerweile schon unterwegs. Was faellt auf?

Unsere Welt ist gross: unglaublich, wieviel Zeit man im Bus verbringen kann, um danach festzustellen, dass die zurueckgelegte Strecke auf der Landkarte nur sehr kurz ist…nein, im Ernst: die Ausmasse einzelner Laender, aber auch bestimmter Regionen wie Patagonien, sind einfach eindruecklich.

Eine grosse Vielfalt gibt es selbstverstaendlich auch in der Art und Weise, die Zeit auf dieser Welt zu verbringen. Das gilt ganz besonders fuer Reisende: vom Oesterreicher, der nur selten Tageslicht sieht, weil er die Naechte durchfeiert, ueber die Asiatin, die ihren kompletten Trip schon im Voraus durchgeplant hat, um keine Zeit zu verlieren, bis hin zu uns, die bei viel Tageslicht immer mal wieder viel Zeit verlieren.

Nicht zuletzt liegt in der grossen kulturellen – will heissen verhaltensmaessigen, kulinarischen, architektonischen, kuenstlerischen, sprachlichen, und und und – Vielfalt der grosse Reiz des Reisens. So sehr wir diese Unterschiede geniessen, so sehr faellt uns immer mehr auf, wie auch wir von unserer Herkunft gepraegt sind. Das Nachdenken ueber unsere eigene und die Kultur, die wir kennenlernen,  fuehrt dazu, dass wir viel ueber uns selbst lernen.

Unsere Welt ist klein: diesen Umstand finden wir wesentlich frappierender, wahrscheinlich, weil er das Reisen schlichtweg ein wenig entzaubert. Ein paar Beispiele:

wir bewundern bis beneiden bei einem Ausritt mit anschliessendem Asado campero in Argentinien unseren Guide fuer sein urspruengliches, naturverbundenes Leben auf dem Land, Um dann auf der Rueckfahrt in die Stadt, auf der er uns begleitet um dort im Haus eines Freundes  zu duschen, zu erfahren, dass er sich als das Wissen ueber Pferde, Pflanzen usw. in nur einem Jahr Landleben angeeignet und ausserdem eine franzoesische Freundin hat.

Im Bus laeuft Modern Talking, im Fernsehen Barcelona vs. Stuttgart und jeder Zweite laeuft in „North Face“-Klamotten rum.

Die krasseste Verkleinerung des Erdballs erzeugt – wer haetts gedacht – das Internet. Aber das liest Du ja gerade.

Manchmal deswegen, manchmal trotzdem: eine feine Welt!