Zum Glück fährt ein Bus

2010 August 2
by Dietmar Hahn

Dieser Werbespruch des Konstanzer Casinos, aufgeklebt auf den Stadtbussen der Bodenseestadt, hat Dide schon immer gut gefallen. Für unsere Zeit in Mosambik hat er ebenfalls sehr gut gepasst. Nicht dass wir einen Jackpot geknackt oder das Glück selbst gefunden hätten. Aber Busfahren kann glücklich machen.

Nicht, dass es nicht beschwerlich wäre. Man reist mit Opas, die aufgrund jahrelanger Erfahrung die Spuckschüssel mitbringen und gezwungenermaßen auch davon Gebrauch machen; man weicht Urinrinnsalen aus, die im Rhythmus des Buses den Gang auf- und abfließen; man hilft Eltern mit Klopapier aus, wenn sie ihre Kinder auf dem Schoß wickel

n; auch Stunden nach Ende der Fahrt sind die Abdrücke des Vordersitzes auf den Kniescheiben eingraviert. Am anstrengendsten ist aber wohl die unsägliche Musikauswahl, die einem zu den unmöglichsten Zeiten Schlaf und Nerven raubt.

Und trotzdem hat Busfahren etwas Unwiderstehliches. Es muss mit dem Widerspruch zusammenhängen, dass man sich nicht bewegt und in diesem Zustand dennoch große Entfernungen zurücklegt. In diesem Paradox und dem vollgestopften Bus gefangen, hat man viel Zeit und (etwas weniger) Ruhe, um sich mit seiner

Umwelt zu beschäftigen.

Außen huscht die afrikanische Realität vorbei, langsam genug, um sie aufzunehmen. Kein Strom, rote Erde, grüne Palmen, Strohhütten, Pumpbrunnen, Maisfelder, Fußgänger am Straßenrand, Ziegen im Straßengraben, all das weckt einerseits die Sehnsucht nach dem ursprünglichen, einfachen Leben, in dem es um Säen, Ernten, Essen und Trinken geht.

Andererseits: Kein Strom, kein Asphalt, kein fließend Wasser, keine Gehwege, keine Perspektiven und damit keine Wahl, lassen Vorfreude auf die Rückkehr in ein Leben aufkommen, in dem vieles nicht so klar erscheint wie bei einem Leben entlang der mosambikanischen N1. In dem man dafür aber die Wahl hat.

Und während man solche Erkenntnisse hat, erkennt man auch, dass man in Deutschland vor allem schnelle Züge fahren wird. Das Glücksgefühl kann das aber in diesem Moment nicht schmälern.