Eher zufaellig sind wir vor ein paar Tagen in Potosi, Bolivien eingetroffen. Wuerden wir ca. 500 Jahre frueher leben, haette diese Stadt drei Superlative zu bieten: sie waere mit 4000 m ueber NN die hoechste, mit ca. 160000 Einwohnern die bevoelkerungsreichste, und dank des Cerro Rico und seinem schier unerschoepflichen Silbervorkommen, auch die reichste Stadt der Welt. Geblieben ist heute nur das erste Superlativ.
Wuerden wir 500 Jahre frueher leben, wuerde Dide allerdings auch seit ca. 15 Jahren in einer der 500 Minen in diesem Berg arbeiten, und haette nur noch ungefaehr ebenso lange zu leben.
Diese Stadt hat zwei Hauptattraktionen: das “Casa da Moneda”, ein Museum, das den Werdegang dieser Gelddruckerei beschreibt, und die Minen des Silberbergs. In diese Minen, die auch heute noch der Hauptarbeitgeber Potosi’s sind, werden Exkursionen angeboten. Jule hat sich von vornherein geweigert, mitzugehen, also ist Dide alleine gegangen.
Wir koennten nun an dieser Stelle Bilder zeigen, auf denen Dide einen Haufen Dynamit mit brennender Lunte in der Hand haelt, oder wie er mit einem Tuch vor dem Mund durch einen der engen Schaechte kriecht. Aber in dem Bewusstsein, dass im selben Moment ca. 12000 Arbeiter, darunter 600 bis 800 Kinder ab 10 Jahren, unter unmenschlichen Bedingungen schuften, wuerde sich das ziemlich ungut anfuehlen. Daher empfehlen wir lieber einen Dokumentarfilm ueber die Minen von Potosi: The Devil’s Miner Der Film ist im Moment auf dem Weg nach Esslingen, ihr seid herzlich eingeladen, ihn dort zu holen und anzuschauen.
Aber Vorsicht, danach macht es keinen Spass mehr, seinen Tee mit einem Silberloeffel um zu ruehren…
San Pedro hat einige Sehenswuerdigkeiten zu bieten, vor allem aber ist der Ort das Sprungbrett auf den groessten aller Salzseen der Erde: Salar de Uyuni. Als Sprungbrett haben wir den Ort dann auch benutzt, es uns allerdings nicht nehmen lassen, vorher noch Geysire bei Sonnenaufgang, sowie das Mondtal bei Sonnenuntergang, zu betrachten.
Die dreitaegige Jeeptour durch das bolivianische Hochplateau begann schliesslich – mit Warten. Wegen Schnee war der Grenzuebergang zeitweise gesperrt. Das gab uns die Gelegenheit, das Paar, das den Jeep mit uns geteilt hat, Amie und David aus London, naeher kennen zu lernen.
Den ersten und zweiten Tag kann man sehr leicht in einem Wort zusammenfassen: Sandsturm! Aufgrund des unmaessig starken Windes (bei einem anderen Jeep wurde die Heckscheibe eingedrueckt), mussten wir unsere Route aendern und sassen somit die meiste Zeit im Jeep, und nicht an den farbigen Lagunen.Das war kein Spass. Naja, wenn’s nichts zu sehen gibt, schwaetzt man halt, wenn man schwaetzt, lernt man sich kennen, wenn man sich kennen lernt, macht’s wieder Spass. So haben wir diese Tage schwaetzend und spielend trotzdem in guter Laune erlebt.
Der dritte und letzte Tag der Tour birgt das eigentliche Highlight: die Fahrt auf der Salzkruste, die denn See bedeckt. Gesehen haben wir an diesem Tag einen der speziellsten und wundervollsten Orte, die wir auf unserer Reise besucht haben. Vom Sonnenaufgang, ueber die Insel mitten im Salzsee bis hin zu den bizarren Riesenkakteen war dieser Tag einfach nur beeindruckend.
Geendet hat die Jeeptour in Uyuni, das vor allem einen Friedhof von Dampfloks zu bieten hat. Diesen unwirtlichen Ort haben wir nach einer Nacht dann auch moeglichst schnell verlassen, um Potosi kennen zu lernen. Begleitet wurden wir dabei von Amie und David, sowie Chris, einem Amerikaner, den wir schon vorher in Chile und Argentinien getroffen hatten.
Bolivien zu bereisen ist ziemlich anders als die Laender, in denen wir bisher waren. Fuer die ca. 200 km von Uyuni nach Potosi haben wir sechs Stunden gebraucht, die Strasse ist der Muelleimer, und ein Drei-Gaenge-Menue kostet ca. einen Euro.
Hier in Potosi, auf 4000 Metern, kaempft jeder mit der Hoehe. So ist jeder Treppengang eine Herausforderung, und jeder Einkaufsbummel fuehrt zu Kurzatmigkeit. Trotzdem geniessen wir die Zeit sehr, nicht nur weil sie heilsam fuers Budget ist. Die Bolivianer sind ein lustiges und freundliches Volk, das konnten wir vor allem bei einem Stadion- und Kinobesuch erleben.
Heute abend geht’s ueber Nacht an die bolivianisch-argentinische Grenze nach Villazon. Dort wollen wir, nach dem Champions-League-Finale, weiter in Richtung Foz de Iguacu. Da wir noch ein paar Tage uebrig haben bis zu unserem Flug nach Kapstadt, haben wir uns entschieden, im Anschluss an die Wasserfaelle und vor Buenos Aires, noch einen Kurztrip nach Uruguai einzulegen.
A propos Kapstadt: die WM rueckt naeher. Ueberall wird ueber die Favoriten diskutiert, die gefaelschten Trikots haengen aus, und wir koennen’s kaum erwarten, unsere Eintrittskarten aus dem Automat zu lassen.
Und hier ein paar Bilder:
Nachdem unser erster Eindruck von Chile vor einem Monat aufgrund der Brasilien-Nachwehen nicht der beste war, wollten wir dieses Land nochmals bereisen, um es etwas objektiver zu betrachten. Wir haben uns also entschieden, von Mendoza die Anden zu ueberqueren und nach Valparaiso zu fahren, um westlich der Anden bis Bolivien zu reisen – und lernen dieses Land, auch unabhaengig von der spektakulaeren Natur, immer mehr zu schaetzen.
Valparaiso ist bunt: Graffiti, Meer, Container, Aufzuege, Hundescheisse, Pablo Neruda…
Nun sind wir seit ein paar Tagen in La Serena. Wie in Mendoza sind auch hier die Anbaubedingungen fuer Trauben hervorragend, lediglich das Endprodukt faellt anders aus. Mit ca. 30 % mehr Alkohol als Wein wird hier ein Likoer hergestellt, der meistens zu Chiles Nationalgetraenk, dem Pisco Sour, verarbeitet wird. Nach der heutigen Probe koennen wir sagen, dass er auch nur in dieser Form geniessbar ist, pur ist er eine Ueberwindung.
Eine weitere Attraktion der Region ist der klare Himmel. “Wir Chilenen haben kein Geld, aber den Himmel. Die Europaer haben das Geld, aber nicht den Himmel.”, so unser Guide. Aufgrund dieser Konstellation stehen hier die groessten und teuersten Teleskope der Welt, finanziert – von euch. Das momentan Groesste, VLT (steht fuer Very Large Telescope – kein Witz!!), hat eine Billion Euro gekostet, und Deutschland ist dabei. In ein paar Jahren kommt dann EELT (European Extremely Large Telescope – wieder kein Witz!!), ebenfalls von Deutschland mitfinanziert, fuer schlappe 1,5 Billionen. Um euch ein Bild zu machen, ob das ein lohnenswertes Steuerprojekt ist, koennt ihr eventuell einen Blick auf www.stellarium.org werfen.
Wie dem auch sei, uns hat der Abend begeistert und zum Nachdenken gebracht. Begeistert, weil wir ne Menge Sternschnuppen, viele Sternbilder, einfach einen unbeschreiblichen Sternenhimmel, gesehen haben. Wenn man jedoch die unendlichen Ausmasse des Universums und die Vielzahl von Galaxien und Sonnensystemen vor Augen gefuehrt bekommt, fragt man sich, ob sich da draussen nicht vielleicht doch irgendwo irgendwas regt…
Aus diesen astronomischen Hoehen hat uns die harte Reiserealitaet wieder auf die Erde geholt: der fuer morgen geplante Ausflug auf eine Pinguininsel faellt ins Wasser, weil es regnet. So werden wir uns morgen den Themen Bewerbung und Tagebuch widmen, bevor uns eine 20-stuendige Busfahrt nach San Pedro de Atacama bringen soll, unserer letzten Station in Chile.
Die Wueste ruft!
JuDi
In Mendoza haben wir uns absolut “on the beaten track” bewegt, im Fachjargon von lonely planet gesprochen. Darum machen wir es uns mal leicht und lassen diesen allgegenwaertigen Reisefuehrer einen unserer Tage dort beschreiben. Zitat:
“Acuario Municipal Mendoza
Seit der Einweihung 1945 hat sich an der kleinen Unterwasser-Freakshow offensichtlich nichts geaendert (ausser dem Algenpegel auf dem Glas). Stars- und an Haesslichkeit kaum zu ueberbieten – sind die ungeweglichen, zungenlosen Albinofroesche und das “Panzerschwein”, ein widerwaertiger Fisch aus dem Rio Paraná.
Im Centro Anaconda Serpentario hausen rund 50 Schlagen (in winzigen Kaefigen), darunter eine riesige gelbe burmesische Python.
In dieser Kombination sicher ein grossartiger Tag fuer Kinder (oder ein etwas abgedrehter mit Freunden).”

Thomas ist wohl der einzige, der beim Anblick dieser Kreaturen vor Freude jauchzt…
Ansonsten haben wir Mendoza als lebendige, entspannte und sehr sonnige Stadt erlebt. Bekannt ist die Region fuer ihren hervorragenden Wein, gelobt wird insbesondere der Rote Malbec. Wir haben’s auf einer Tandem-Wein-Tour versucht, konnten dieses Lob aber auch nach einigem Versuchen nicht nachvollziehen.
Gut drei Monate sind wir mittlerweile schon unterwegs. Was faellt auf?
Unsere Welt ist gross: unglaublich, wieviel Zeit man im Bus verbringen kann, um danach festzustellen, dass die zurueckgelegte Strecke auf der Landkarte nur sehr kurz ist…nein, im Ernst: die Ausmasse einzelner Laender, aber auch bestimmter Regionen wie Patagonien, sind einfach eindruecklich.
Eine grosse Vielfalt gibt es selbstverstaendlich auch in der Art und Weise, die Zeit auf dieser Welt zu verbringen. Das gilt ganz besonders fuer Reisende: vom Oesterreicher, der nur selten Tageslicht sieht, weil er die Naechte durchfeiert, ueber die Asiatin, die ihren kompletten Trip schon im Voraus durchgeplant hat, um keine Zeit zu verlieren, bis hin zu uns, die bei viel Tageslicht immer mal wieder viel Zeit verlieren.
Nicht zuletzt liegt in der grossen kulturellen – will heissen verhaltensmaessigen, kulinarischen, architektonischen, kuenstlerischen, sprachlichen, und und und – Vielfalt der grosse Reiz des Reisens. So sehr wir diese Unterschiede geniessen, so sehr faellt uns immer mehr auf, wie auch wir von unserer Herkunft gepraegt sind. Das Nachdenken ueber unsere eigene und die Kultur, die wir kennenlernen, fuehrt dazu, dass wir viel ueber uns selbst lernen.
Unsere Welt ist klein: diesen Umstand finden wir wesentlich frappierender, wahrscheinlich, weil er das Reisen schlichtweg ein wenig entzaubert. Ein paar Beispiele:
wir bewundern bis beneiden bei einem Ausritt mit anschliessendem Asado campero in Argentinien unseren Guide fuer sein urspruengliches, naturverbundenes Leben auf dem Land, Um dann auf der Rueckfahrt in die Stadt, auf der er uns begleitet um dort im Haus eines Freundes zu duschen, zu erfahren, dass er sich als das Wissen ueber Pferde, Pflanzen usw. in nur einem Jahr Landleben angeeignet und ausserdem eine franzoesische Freundin hat.
Im Bus laeuft Modern Talking, im Fernsehen Barcelona vs. Stuttgart und jeder Zweite laeuft in “North Face”-Klamotten rum.
Die krasseste Verkleinerung des Erdballs erzeugt – wer haetts gedacht – das Internet. Aber das liest Du ja gerade.
Manchmal deswegen, manchmal trotzdem: eine feine Welt!
ist unser Blog ja langweilig. Immer wieder Bilder und Berichte ueber tolle Naturerlebnisse und Landschaften. Aber die Natur ist eine Droge. Faengt man einmal an, kann man nicht mehr genug kriegen. Und mit Argentinien sind wir dann wohl dort gelandet, wo diese Droge in besonders verfuehrerischer Form vorkommt. Insofern illustrieren die Bilder dieses Eintrags einmal mehr Orte, die uns einfach nur zum Staunen gebracht haben: der kalbende Gletscher Perito Moreno, das Felsmassiv Fitz Roy, der Vulkan Lanin an der chilenischen Grenze, unser Wagen vor einer maechtigen Gebirgskette in der Naehe von Bariloche. Und zwischendrin ein in seiner Einfachheit entwaffnender Aufruf an uns Reisende.
In den letzten fuenf Tagen haben wir unseren Chevrolet ueber jede Menge staubig-steiniger Strassen gejagt und waren froh, dass der Blankoscheck, der dem Vermieter als Sicherheit gedient hatte, heute trotzdem zerissen wurde. Zurueck in Bariloche, widmen wir uns heute und morgen mit der restlichen Zeit, die uns in Suedamerika noch zur Verfuegung steht. Fest steht schonmal: sie reicht nicht! Die naechsten Schritte: Mendoza, Valparaiso (Chile), Uyuni-Salzwueste (Bolivien). Von dort muessen wir uns dann langsam in Richtung Buenos Aires aufmachen.
Nebenbei wirft die Rueckkehr nach Deutschland erste, zarte Schatten: langsam starten die Bewerbungsfristen einiger Unis, darauf muessen wir wohl auch ein paar Tage verwenden.
Bariloche ist uebrigens neben vielem anderen die argentinische Hauptstadt der Schokolade. Das werden wir jetzt mal ueberpruefen…hasta luego!
Schauplatz ist wieder El Bolson, diesmal eine Tragoedie.
Voellig unverhofft haben wir im urigsten Hostel, dem wir bisher begegnet sind, die letzte Nacht verbracht, die diese Huette unter seinem bisherigen Besitzer erlebt hat.
Die Handlung: Marcel, ein umtriebiger Ruhrpottler, und sein Freund, dessen Name uns entfallen ist, haben vor fuenf Jahren das vor sich hinvegetierende Hostel von der uninteressierten Besitzerin gemietet, und daraus ein Schmuckkaestchen mit Almhuettenflair gebastelt, das sich mittlerweile mit hohen zweistelligen Bewertungsraten bei den einschlaegigen Hostelreservierungsseiten schmuecken darf.
Das ist natuerlich auch der Besitzerin nicht verborgen geblieben, und so nahm das Unheil seinen Lauf: der auf fuenf Jahre ausgelegte Vertrag lief aus, eine Verlaengerungsoption war nicht schriftlich vereinbart, einen Monat vor Ablauf des Vertrages wurde den Mietern das Ende des Engagements m
itgeteilt. Die Huette wird in Zukunft zu hoeheren Bezuegen an eine neue Mietergruppe, eine Interessengemeinschaft von 14 Hippies uebrigens, weitervermietet.
An diesem denkwuerdigen letzten Abend sassen wir also in einer kleinen
Gruppe mit den Besitzern des Hostels zusammen, haben die letzten Flaschen selbstgebrauten Bieres getrunken, und uns der Melancholie, unterstuetzt vom in der Ecke brennenden Kaminfeuer, hingegeben.
In diesen Tagen wird die Einrichtung liquidiert, weggeschmissen oder in fatalistischer Grosszuegigkeit den neuen Mietern ueberlassen. Wir trauern mit und freuen uns darueber, noch ein T-Shirt dieses einzigartigen Hostels ergattert zu haben.
Der Kapitalismus macht also auch vor atomwaffenfreien Zonen nicht halt. Tragoedien, die das Leben spielt.
… mehr Autoritaet fuer argentinische Absperrbaender!
Man muss allerdings erwaehnen , dass dieser Schnappschuss in El Bolson entstanden ist, einer von in den 70er Jahren von Hippies eroberten Kommune, die zur “oekologischen Stadt” sowie zur ersten “atomwaffenfreien Zone”(??) Argentiniens erklaert wurde. Die Dame verhaelt sich also lediglich entsprechend ihrer antiautoritaer gepraegten Erziehung. Wobei, eigentlich ist sie zu alt um in den 70ern erzogen worden zu sein.
Ach, egal, lass noch ne Tofu-Milanesa essen.
Einen kurzen Gruss lassen wir hier aus Bariloche, wo wir heute morgen um acht angekommen sind, nach zwei Naechten und einem Tag auf der beruehmten Ruta 40. Eine Fahrt durch Landschaften, die das Wort “unendlich” greifbarer machen. Nichts, soweit das Auge reicht. Beeindruckend!
Ein wenig verzoegert wurde die Reise durch den dreimaligen Ausfall des Busmotors. Ein Hoch auf die breitgefaecherte Ausbildung der argentinischen Busfahrer, die nicht nur auf staubigen Strassen sicher fahren, sondern auch solche Schwachstellen ihrer Arbeitsgeraete beheben koennen. Und die Tankstellenbesitzerin verdankt der Panne den unverhofften Megaumsatz im eigentlich schwachen Monat April.
Wir wollen hier ein Auto mieten, und auf etwas flexiblere Weise die Gegend der siete lagos erkunden. Sobald wir zurueckkommen, gibts voraussichtlich mehr Text und Bilder.
judi
































