Chile zum Zweiten

2010 Mai 10
by Dietmar Hahn

Nachdem unser erster Eindruck von Chile vor einem Monat aufgrund der Brasilien-Nachwehen nicht der beste war, wollten wir dieses Land nochmals bereisen, um es etwas objektiver zu betrachten. Wir haben uns also entschieden, von Mendoza die Anden zu ueberqueren und nach Valparaiso zu fahren, um westlich der Anden bis Bolivien zu reisen – und lernen dieses Land, auch unabhaengig von der spektakulaeren Natur, immer mehr zu schaetzen.

Valparaiso ist bunt: Graffiti, Meer, Container, Aufzuege, Hundescheisse, Pablo Neruda…

Nun sind wir seit ein paar Tagen in La Serena. Wie in Mendoza sind auch hier die Anbaubedingungen fuer Trauben hervorragend, lediglich das Endprodukt faellt anders aus. Mit ca. 30 % mehr Alkohol als Wein wird hier ein Likoer hergestellt, der meistens zu Chiles Nationalgetraenk, dem Pisco Sour, verarbeitet wird. Nach der heutigen Probe koennen wir sagen, dass er auch nur in dieser Form geniessbar ist, pur ist er eine Ueberwindung.

Eine weitere Attraktion der Region ist der klare Himmel. „Wir Chilenen haben kein Geld, aber den Himmel. Die Europaer haben das Geld, aber nicht den Himmel.“, so unser Guide. Aufgrund dieser Konstellation stehen hier die groessten und teuersten Teleskope der Welt, finanziert – von euch. Das momentan Groesste, VLT (steht fuer Very Large Telescope – kein Witz!!), hat eine Billion Euro gekostet, und Deutschland ist dabei. In ein paar Jahren kommt dann EELT (European Extremely Large Telescope – wieder kein Witz!!), ebenfalls von Deutschland mitfinanziert, fuer schlappe 1,5 Billionen. Um euch ein Bild zu machen, ob das ein lohnenswertes Steuerprojekt ist, koennt ihr eventuell einen Blick auf www.stellarium.org werfen.

Wie dem auch sei, uns hat der Abend begeistert und zum Nachdenken gebracht. Begeistert, weil wir ne Menge Sternschnuppen, viele Sternbilder, einfach einen unbeschreiblichen Sternenhimmel, gesehen haben. Wenn man jedoch die unendlichen Ausmasse des Universums und die Vielzahl von Galaxien und Sonnensystemen vor Augen gefuehrt bekommt, fragt man sich, ob sich da draussen nicht vielleicht doch irgendwo irgendwas regt…

Aus diesen astronomischen Hoehen hat uns die harte Reiserealitaet wieder auf die Erde geholt: der fuer morgen geplante Ausflug auf eine Pinguininsel faellt ins Wasser, weil es regnet. So werden wir uns morgen den Themen Bewerbung und Tagebuch widmen, bevor uns eine 20-stuendige Busfahrt nach San Pedro de Atacama bringen soll, unserer letzten Station in Chile.

Die Wueste ruft!

JuDi

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